Widerhall Nr. 7 - Juni - Juli - August 1999.


MINISTERIUM FÜR STAATSSICHERHEIT -

Das MfS in der DDR.

"Schild und Schwert der Partei!"


Fortsetzung: Meine Stasi-Akte.

Inzwischen sind wir bei Seite 32 angelangt, die einen sogenannten Massnahmeplan beinhaltet. Ein solcher wurde immer dann aufgestellt, wenn man konkret gegen einen "verdächtigen" Einwohner in der DDR vorgehen wollte.

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Ministerium für Staatssicherheit
Kreisdienststelle Meissen

Meissen, den 7. 12. 1957.

M a s s n a h m e p l a n

zur Bearbeitung des operativen Materials H e u b a u m .
.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.

Durch die Abteilung M (zuständig für die Kontrolle des Brief-, Paket- und Telegramm-
verkehrs - khh.) wurde uns bekannt, dass der Heubaum am 7. 12. 1957 in Westberlin
ein Person aufsucht, um sich Hetzmaterial abzuholen.

Zur operativen Bearbeitung werden folgende Massnahmen festgelegt.

1.) Aufklärung der in Westberlin lebenden Person von der Abteilung VIII Berlin
Termin: 6. 12. 1957
Verantwortlich: Ltn. K. (Name bekannt)

2.) Mit der im Haus wohnenden Kontaktperson sind eingehende Massnahmen abzusprechen,
um zu erfahren, wenn H. sich während des Tages in seiner Wohnung aufhält bzw. wenn er
nach Berlin fährt.
Termin : 6. 12. 19957
Verantwortlich: Ltn. K.

3.) Feststellen, welche Züge in der Zeit vom 7. - 8. 12. aus Berlin kommen und mit welchen
Zügen H. in Meissen abfahren kann.
Termin: 6. 12. 1957
Verantwortlich: Ltn. K.

4.) Jeder unter 3 genannte Zug ist am 8. 12. 1957 zu kontrollieren.
Termin: 8. 12. 1957
Verantwortlich: Ltn. K.

5.) Bei Feststellen, dass H. in Meissen eintrifft, ist er zu beobachten und kurz vor seiner
Wohnung festzunehmen und der Dienststelle zuzuführen.
Termin 8. 12. 1957.
Verantwortlich: Ltn. K.

6.) H. ist nach einem ausgearbeiteten Vernehmungsplan zu vernehmen.
Ziel ist, H. einer Feindtätigkeit zu überführen.

Unterschrift von K.
Leutnant

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Seite 33:

Kreisdienststelle Meissen
Meissen, den 10. 12. 1957

A k t e n v e r m e r k
-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-

Zur Erfüllung des Massnahmeplanes vom 7.12.1957 ist zu sagen, dass die Punkte 1.) bis 4.)
eingeleitet und realisiert wurden. Eine Festnahme des H. konnte nicht erfolgen, da er nicht
mit den besagten Zügen in Meissen angekommen ist.
Der Wert der Bearbeitung ist jetzt auf seine bestehenden Verbindungen zu legen, um aus
diesem Kreis eine geeignete Person zu werben.
Unterschrift des K.

Wie mir die Kontaktperson P e s c h k e mitteilte, ist der H. erst am 11.12.57 aus Berlin
zurückgekehrt.
Unterschrift des K.

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Kommentar: Nicht nur die DDR-Wirtschaft arbeitete nach "Plan", auch die Stasi plante jede
Vorgehensweise bis ins Detail. Selbst die erhoffte Vernehmung war in Einzelheiten im voraus
festgelegt. Spontanität ist nicht gefragt. Sicher ein Glück für manchen Bürger. Andererseits
besagen die Texte aber auch wie zielstrebig man vorging, um Bürger der Feindschaft zum
Staat zu überführen, die ihn hinter Zuchthausmauern verschwinden lässt. Und sie zeigen,
dass in der DDR eine Verschwendung von Ressourcen ohnegleichen betrieben wurde. Da
beschäftigen sich mehrere Leute über mehrere Tage mit einem Berlinreisenden, weil der
eventuell westdeutsche Zeitungen ins Land bringt.

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"Joachim Gauck spricht aus, was viele Bürger täglich erleben:
Sie begegnen den 'Tätern von einst' in Behörden und Schulen,
im Gericht und bei der Polizei. Sehr sanft, so Gauck, seinen
sie in die neuen Machtpositionen gerutscht, von der Diktatur
in die Demokratie. Demokraten geben sich liberal im Sinne
von grosszügig und generös, wenn sie entscheiden, die Macht-
elite aus Diktaturen zu übernehmen. So geschah es nicht nur
nach der Einheit, sondern auch nach der Nazidiktatur im
Westen. (....) Den Nachteil bemerkt man kaum: Alle, die nicht
funktionieren wollten (und von den 'Demokratien' zum Teil
dazu animiert wurden - khh.), fühlen sich wieder betrogen,
zweifeln am Sinn der Demokratie und fragen sich, ob es nicht
besser sei, stets mit dem Strom zu schwimmen."
(Magdeburger Volksstimme, Juli 1999.)
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Militärisch haben diese mit Blechplatten verkleideten PKWs Marke
Eigenbau überhaupt keinen Wert. Sie sollen auch keinen äusseren
Feind abwehren, sondern schlicht die Bevölkerung einschüchtern.
Gedacht für bürgerkriegsähnliche Zustände mit einem Maschinen-
Gewehr bewaffnet wird hier damit in Meissen Kampfbereitschaft
demonstriert. Fotos Karl-Heinz Heubaum.

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Seite 34 ist wiederum nur ein Aktenvermerk, den ich allein deswegen wiedergebe, weil da-
raus zu ersehen ist, dass man sich in der DDR schon verdächtig machte, wenn man mit
einem Fotoapparat rumlief und dann noch in "westlicher" Kleidung. Letzteres war ohnehin
Quatsch. Ich habe mir in den DDR-Läden lediglich Kleidung nach Geschmack rausge-
sucht und der war durch das vorangegangene Leben in Westdeutschland natürlich westlich
geprägt. In der KPD und SED war ich natürlich nie, was die Stasi-Schnüffler sicher
schnell feststellten konnten. Brauchten ja nur bei ihren Genossen von der Partei nach-
zufragen.

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Meissen, den 9. 1. 1958

A k t e n v e r m e r k
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Am 9.1.58 teilte der Genosse Ke. (voller Name bekannt) vom VPKA (Volkspolizeikreisamt)
Meissen, Abt. E mit, dass ein gewisser H e u b a u m , Karl-Heinz, Meissen, Louise-Otto-
Str.1 ständig mit einem Photoapparat weggeht. Bei Demonstrationen u.ä. fotografiert der H.
meist Kampfgruppen usw. H. ist Rückkehrer. Nach seiner Rückkehr arbeitete er in der EWS
(Elektrowärme Sörnewitz), wurde dort entlassen, da er Westwaren, die ihm aufgrund seiner
Verbindungen geschickt wurden, verkaufte. Wo er jetzt arbeitet ist nicht bekannt. H. soll der
KPD angehört haben und jetzt Mitglied der SED sein. (Ein SEDler, der Westwaren verkauft,
irgendwie kurios - khh.) Er hat umfangreiche Westverbindungen, ist meist westlich gekleidet.
Diese Angaben machte gegenüber dem Genossen Ke. (voller Name bekannt - khh.) die Genos-
sin Inge Ku. (voller Name bekannt - khh.), die über Heubaum noch weitere Angaben machen
kann.
Unterschrift Bei....(Name von mir gekuerzt - khh.)
Ultn. (Unterleutnant)

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Seite 35 ist ein Schreiben an die Stasi in Dresden. Ich soll bei meiner Arbeitsstelle, einem
Pumpspeicher-Kraftwerk, "unter operative Kontrolle" genommen werden:

MINISTERIUM FÜR STAATSSICHERHEIT
Bezirksverwaltung Dresden
Kreisdienststelle Meissen


An das
MINISTERIUM FÜR STAATSSICHERHEIT
Bezirksverwaltung Dresden
Kreisdienststelle Dresden/Land

Meissen, den 13.1.1958
Ku./Fö. - - Tgb.-Nr.: A/ 56 / 58

Betr.: H e u b a u m , Karl-Heinz, wohnhaft Meissen, Louise-Otto-Str. 1

Der im Betreff Genannte arbeitet seit ca. einem Jahr im Kraftwerk Niederwartha,
vermutlich als Zimmermann.

Selbiger ist Rückkehrer und unterhält zahlreiche Westverbindungen mit negativem
Charakter.

Wir bitten Sie, über selbigen folgendes festzustellen:

1.) Seit wann und als was ist H. im genannten VEB beschäftigt?

2.) Mit welchen Personen unterhält er Verbindungen, welcher Art sind diese?

3.) Welche Diskussionen führt H. und in welchen Kreisen?

4.) Hat er besonderes Interesse für Objekte, Maschinen oder Geräte?

Sollte in der Brigade (eine Gruppe von etwa 10 bis 15 Arbeitern unter dem
Kommando eines Vorarbeiters, bzw. Brigadeleiters), in der H. Beschäftigt ist, ein
Informator vorhanden sein, bitten wir Sie, durch selbigen den H. unter operative
Kontrolle zu nehmen.

Vorliegendes Material bitten wir uns zu übersenden, da H. von uns operativ
bearbeitet wird.

Um schnellste Antwort wird gebeten.

Stellv. Dienststellenleiter
Unterschrift i.A. Ku
(Mit.....Name von mir gekuerzt -khh.))
Leutnant

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Kommentar: Für den Fall, dass man hätte feststellen können, dass ich mich für
Maschinen und Objekte des Kraftwerks interessiere, hätte man den Vorwurf der
Spionage erheben können. Insbesondere dann, wenn man mich beim Fotografieren
erwischen würde. Und ich habe fotografiert. Allerdings nicht für den überall vermu-
teten Feind. Ausserdem kann das Kraftwerk kein besonderes Geheimobjekt gewesen
sein, denn viele Maschinen und die gewaltigen Wasserrohre für das Pumpspeicher-
werk kamen aus dem Westen, vornehmlich aus Österreich.

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"Nach Sachsen will sich auch die Thüringer Landesregierung
im Bundesrat für eine bessere Entschädigung von SED-Opfern
durch eine Verfolgtenrente einsetzen." Meller Kreisbl.26.2.99.
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Seite 36 beinhaltet einen Aktenvermerk über ein Stasi-Treff mit der Kontaktperson
Pe....., einer damaligen Mitbewohnerin in der Louise-Otto-Str.1. Die hat sogar
für die Stasi überprüft, was ich vom Dachboden aus fotografieren konnte. Mit dem
"Objekt der Freunde Imperial" ist vermutlich eine Kaserne der Roten Armee der
sowjetischen Besatzungsmacht gemeint. Das waren natürlich für die DDR-Staatsorgane
"die Freunde". Hier der Text der Seite:

Kreisdienststelle Meissen
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Meissen, den 15.1.1958 - - Ku./Tü.

A k t e n v e r m e r k
.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.

Am 14. 1. 1958 wurde ein Treff mit der KP Pe..... durchgeführt. Selbige teilte mit,
dass sie am Sonntag gegen 8.30 Uhr den Heubaum auf den Elbwiesen in der Nähe des Hafens
angetroffen hat, selbiger kam mit einer Aktentasche aus Richtung Proschwitz bzw. Knorre.

Am gleichen Vormittag begab er sich auf den Boden und fotografierte. Wie sie selbst über-
prüfte, hat er von dort aus die Möglichkeit das Objekt der Freunde "Imperial" gut zu foto-
grafieren. Über die Weihnachtsfeiertage hat die Familie H. in grösseren Umfang Pakete aus
Westdeutschland erhalten. Vermutlich handelt es sich hierbei um Lebensmittelsendungen.

Weitere wesentliche Angaben konnte sie nicht machen. Sie erhielt den Auftrag weiterhin Wert
auf Besuche sowie die Tätigkeit des H. zu legen.

Unterschrift Ku...
(Leutnant)

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Seite 37 der Stasi-Akte zeigt wie das Fotogeschäft ausspioniert wird, in dem ich meine
Kameras gekauft hatte und zumeist meine Filme entwickeln liess. Leider war dort kein
"Genosse" beschäftigt, den man gegen mich einsetzen konnte. Aber sowas, im Konsum
kein Genosse! Doch es klappte dann mit Ursula Sp. Schliesslich war ihre Einstellung zur
DDR positiv, wie die Stasi feststellen konnte.

Kreisdienststelle M e i s s e n
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B e r i c h t
-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-

Betr.: Foto-Fachgeschäft Konsum Meissen

Durch den Gen. Ultn. Tsch.........(Name bekannt) wurde bekannt, dass in diesem Geschäft
H e u b a u m ständig seine Einkäufe tätigt und bei dem Verkaufspersonal gut bekannt ist.
Eine Überprüfung hat ergeben, dass dort kein Genosse beschäftigt ist.

Der Verkaufsstellenleiter H... Horst (Name bekannt-es folgen mehrere Zeilen, die von der
Gauck-Behörde geschwärzt worden sind - khh.) Mit H e u b a u m steht er in einem
guten Verhältnis, was auf die Fototätigkeit zurückzuführen ist. Seine Stellvertreterin ist die
Sp., Ursula (Name bekannt & von mir gekürzt - khh.) Sie ist allen Personen gegenüber
freundlich. Ihre Einstellung ist positiv. ... ... Auch kennt sie gut den H e u b a u m ,
was auf dessen Besuche im Geschäft zurückzuführen ist. Weiterhin sind noch eine
jugendliche Verkäuferin sowie zwei Laborantinnen vorhanden.

Zur Werbung eignet sich jedoch die Sp. am besten. Einmal besitzt sie eine positive Einstellung
und zum anderen sind ihre Verbindungen zu H e u b a u m nicht so stark wie vermutlich
beim Verkaufsstellenleiter H.

Durch die Werbung soll erreicht werden, welche Einkäufe tätigt der H e u b a u m, lässt er
bestimmte Filme entwickeln, welchen Charakter tragen die Verbindungen und besteht die
Möglichkeit, über die Sp. persönlichen Kontakt zu H e u b a u m herzustellen. Die erste
Aussprache mit der Sp. findet am 18.1.1958 statt.

Unterschrift Ku......
Ltn.

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"Dieses Urteil wird nicht nur Opfern die Zornesröte ins
Gesicht treiben. Haftentschädigung für Erich Mielke,
den gnadenlosen Chef des gigantischen Unterdrückungs-
apparates der DDR - das ist eine schockierende Ent-
scheidung. Die Summe, obwohl sie wegen der Erstat-
tung der Verfahrenskosten mehrere zehntausend Mark
beträgt, spielt dabei keine Rolle, es geht ums Grund-
sätzliche. Wer hat schliesslich die Leidtragenden seiner
Spitzel- und Schnüfflertruppe auch nur halbwegs aus-
reichend entschädigt?" Meller Kreisblatt 6.1.1999.
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Es folgt die Seite 42 der Akte. Seite 38 und 41 sind ohne Bedeutung und die Seiten 39 und 40
fehlen bei der Stasi-Akte. Oder die Angestellten der Gauckbehoerde haben sich mit der fort-
laufenden Nummerierung vertan.

Seite 42 zeigt uns, wie leicht es für die Stasi war, Kundschafter für ihre Zwecke zu werben. In
diesem Falle war es die stellv. Geschäftstellenleiterin des Foto-Konsums in Meissen. Und ich
hatte davon keine Ahnung, nicht den geringsten Verdacht, zumal ich ohnehin keinen Anlass
hatte Stasi-Verfolgung zu vermuten. Wirklich nicht? Wenn ich heute an damals zurück denke,
wäre ich unverzeihlich naiv gewesen, wenn ich selbst im Unterbewussten arglos gewesen
wäre. Das kann einfach nicht der Fall gewesen sein und er war es auch nicht. In einem Land
ständig mit dem Fotoapparat und Filmgerät rumzulaufen, in dem das Stehenbleiben unter einer
Eisenbahnbrücke verboten ist, das Fotografieren von Brücken, Bahnhöfen und sonstiger Ver-
kehrseinrichtungen, sowie staatlicher Gebäude und Einrichtungen im Grunde genommen zumin-
dest stark verdächtig macht, ganz zu schweigen von der Ablichtung militärischer Einrichtungen,
die praktisch als Beweis für eine staatsfeindliche Spionage angesehen wird, kann niemand unbe-
kümmert fotografieren oder filmen.

Selbst das knipsen verfallender Wohngebäude ist in solchen Ländern - wie es die DDR war -
streng verpönt. Solche Bilder könnten in der Presse des Gegners als Beweis für die Unfähig-
keit der Bauwirtschaft herhalten, Wohnhäuser zu renovieren und instand zu halten oder zur
Untermauerung der These, dass so etwas gesellschaftspolitisch gewollt und der Verfall der
alten Bausubstanz Absicht ist, weil man jede Erinnerung an die Relikte aus der Vorzeit des
stalinistischen Kommunismus und Sozialismus eliminieren will. Anstelle der stilvollen Altbau-
ten, wurden dann überall den Geist und die Seele plattmachende Plattenbauten montiert.
Wohlgemerkt montiert, nicht gebaut. Aber ich schweife ab. Es wäre ein Thema für einen
Extra-Widerhall und mehr. Übrigens so gesehen ist die DDR gerade noch rechtzeitig unterge-
gangen. Fast wären tatsächlich die prachtvollen alten Bürgerhäuser insgesamt verschwunden,
die der letzte Weltkrieg übrig gelassen hatte. Doch nun endlich zur Seite 42:

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Kreisdienststelle M e i s s e n

Meissen, den 28.1.1958

T r e f f b e r i c h t
-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.

Am 27.1.1958 wurde mit der KP (Kontaktperson - khh.) Sp....... in der HO-Gaststätte "Zum
goldenen Schiffchen" (HO = Abkürzung für Handelsorganisation, natürlich eine staatliche Einrich-
tung - khh) in Meissen um 14 Uhr ein Treff durchgeführt. (Die Kontaktperson ist dann immer
Gast der Stasi - khh.)
Sie berichtete, dass H e u b a u m einen Nettoverdienst von 456,-- DM hätte. Weiterhin hätte
er am 13.6.1957 die Kamera Contax mit Belichtungsmesser gekauft (Kleinbildkamera - khh.).
Am 19.12.1957 kaufte er sich eine AK 8 (8mm-Schmalfilmkamera - khh.)
Am 17.1.1958 besuchte er das Geschäft und interessierte sich vor allem für Fotopapier, insbe-
sondere für dessen Haltbarkeit. Einkäufe tätigte er nicht.
Auf die Frage der KP, was denn die Entwicklungsarbeiten im allgemeinen machen, erklärte er
er wuerde selbst keine Filme und Bilder entwickeln. Dies würde für ihn ein guter Bekannter
erledigen. Einen Namen nannte er jedoch nicht. Der KP ist bekannt , dass er im Jahre 1957
chemische Mittel zur Herstellung von Bildern und Entwicklung von Filmen gekauft hat.
Auf die Frage der KP, ob er ihr nicht einmal ein paar schöne Bilder mitbringen könnte, ging
er sofort ein und versprach es ihr.

Die KP erhielt den Auftrag, uns sofort zu verständigen, wenn sie im Besitz derselben ist.

Der nächste Treff findet am Montag, den 3.2.1958, 14 Uhr in der HO-Gaststätte "Zum
goldenen Schiffchen" statt.

Unterschrift
K.... (Name bekannt - khh.)
Ltn.

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Kommentar: Dass ein "Bekannter" für mich Entwicklungsarbeiten erledigt, hatte ich nur so
dahergesagt. Einen solchen Bekannten gab es nicht. Aber echt nur so dahergesagt? Oder
führte mich dabei das Misstrauen, dass in der DDR den Bürger leitete. Misstrauen gegen-
über Menschen, die man nicht persönlich kennt, die nicht zur Familie gehören. Filme habe
ich damals nur zum Teil selbst entwickelt, sozusagen bloss um mir zu beweisen, dass ichs
"zur Not" auch kann. Bilder habe ich der Frau nicht "mitgebracht", deshalb hat die Dame
später von den Filmen, die ich zur Entwicklung brachte, gleich Positive für die Stasi
hergestellt und bei einem Treff übergeben, wie sich auf Seite 50 der Akte offenbart, die
ich im folgenden wiedergebe. Eigentlich ist Seite 43 dran, aber die fehlt in der Akte. Aber
auch datumsmässig ist jetzt Seite 50 dran:

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Meissen, den 6.2.1958

T r e f f b e r i c h t
-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.

Am 4.2.1958 - 14.oo Uhr (also nicht am 3.2. wie oben ausgemacht war und auch nicht
in der Gaststätte - khh.) wurde im Geschäft (Fotokonsum) ein Treff mit der KP SP.........
durchgeführt.
Sie berichtete, dass am 27.1.1958 H e u b a u m im Geschäft erschienen war und einen
Film zum entwickeln abgegeben hat. Nach der Durchsicht stellte sie fest, dass sehr interes-
sante Aufnahmen darauf waren und sie fertigte für uns je ein Bild an. H e u b a u m hat
nur den Auftrag erteilt, den Film zu entwickeln - keine Bilder anzufertigen.
Da sehr viel Besuch bzw. Käufer im Geschäft waren, konnte sie kein persönliches Gespräch
mit ihm führen.

Auswertung: Die Bilder kommen zur Handakte H e u b a u m .

Hier ein Foto aus der "Handakte":
Der Gemüsestand auf dem
Marktplatz von Meissen in 1958.
Eine staatsgefährdende Aufnahme?
Vielleicht weil es der einzige war?
(Foto Karl-Heinz Heubaum)

Auftrag:
-----------
Die KP erhielt den Auftrag, sobald H e u b a u m den Film abholt, mit ihm ein persönliches
Gespräch zu führen, um festzustellen, ob er selbst die Bilder angefertigt oder wo er sie anfer-
tigen lässt.

Nächster Treff: 12.2.1958 - 14.oo Uhr im Geschäft

Unterschrift
K....
Ltn.

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"Der 1952 von der Stasi verhaftete Westdeutsche Horst Hölig
muss nach einem verlorenen Prozess gegen den DDR-Stasi-
Chef Erich Mielke rund 2250 DM für dessen Anwälte bezah-
len. - Hölig hatte Mielke auf Schadenersatz und Schmerzens-
geld in Höhe von 60 000 DM verklagen wollen. Damit schei-
terte er jedoch sowohl vor dem Landgericht als auch vor dem
Kammergericht." Meller Kreisblatt 7.1.99.
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Es folgen nun die Seiten 44 und 45 der Stasi-Akte.

VPKA Meissen (Volkspolizeikreisamt - khh.)
Abtlg. K - AK 3

Meissen, den 12. 2. 1958

P r o t o k o l l
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Betr.: Rückkehrer H e u b a u m , Karl-Heinz .... .... wohnh. Meissen, Luise-Otto-Str. 1
(es muss natürlich Louise-Otto-Str. heissen - khh.)

... ... ... Am 12. 12. 55 kam er bei der Abtlg. PM des VPKA Meissen wieder als Rückkehrer
zur Anmeldung.

Bei der Überwachungstätigkeit anlässlich der Geldumtauschaktion am 13. Oktober 1957
wurde vom unterzeichnenden Sachbearbeiter festgestellt, dass eine männliche Person die vor

(Foto: Karl-Heinz Heubaum, 13. Okt. 1957)
der Deutschen Notenbank in Meissen, Rathenauplatz, in einer Schlange stehenden Bürger
fotographierte. Daraufhin wurde die männliche Person zwecks Feststellung der Personalien
der VP.-Dienststelle Meissen, Schlossberg zugeführt (VP = Volkspolizei, die oben neben der
Albrechtsburg Meissen ihr Domizil hatte -khh.). Bei der Überprüfung der Person, die im
Beisein eines Mitarbeiters der MfS (Ministerium für Staatssicherheit -khh.) - Dienststelle
Meissen erfolgte, wurde festgestellt, dass es sich um den oben genannten H. handelte. Auf
Anweisung des Mitarbeiters von der MfS Dienststelle wurde H. nach Verwarnung entlassen.

Am 11. 2. 58, gegen 10,50 Uhr, bemerkte der Torposten des VPKA Meissen, Hafenstr. -
VP.-Hptwm. Kr..... (Volkspolizei-Hauptwachmeister -khh.), dass eine ihm unbekannte,
männliche Person das Gebäude des VPKA fotographieren wollte. Vom Torposten wurde
diese Person sofort dem VPKA und von dort aus später der Abtlg. K zur Überprüfung zuge-
führt. Bei der Überprüfung der Person durch die Abteilung K wurde festgestellt, dass es sich
wieder um den genannten H. handelte. Er gab an, dass er z. Zt. mit seiner Schmalfilmkamera
AK 8 für sich einen Film von Meissen aufnimmt. Am 11. 2. 57 hätte er bereits den Sonnen-
aufgang gefilmt. H. hatte nun die Absicht das Gebäude des VPKA wegen der farbigen Wand-
kacheln zu filmen. Das Gebäude sei eine Sehenswürdigkeit von Meissen. H. gab an, dass er
vom Gebäude des VPKA noch keine Aufnahmen gemacht hätte, da er noch ein Fahrzeug
und wie er sich ausdrückte Bewegung bei der Filmaufnahme haben wollte. Es wurde festge-
stellt, dass H. ausser der Schmalfilmkamera noch eine Contax-Kleinbildkamera mit allem
erforderlichen Zubehör in seiner Aktentasche bei sich führte. H. gab an, dass er nicht gewusst
habe, dass es verboten ist das Gebäude der VPKA zu fotographieren. Er sei erst vor zwei
Jahren in die DDR von München zugezogen.

MfS-Dienststelle Meissen wurde sofort von der Zuführung des H. verständigt und auf
Anweisung dieser Dienststelle wurde er nach einer Verwarnung wieder nach Hause
entlassen.
Unterschrift
Vö..... Leutnant d. VP (voller Name bekannt - khh.)

****

Kommentar: Hier wird mehr als deutlich, wer in der DDR das wahre Sagen hatte. Der
Geheimdienst MfS konnte Anweisungen an die Polizei geben und gab sie auch. So viel ich
weiss, ist das den Geheimdiensten der Bundesrepublik so nicht moeglich.

Von einer Festnahme zu diesem Zeitpunkt wollte das MfS wohl noch nichts wissen. Das
hätte deren Absicht durchkreuzt, mich weiter beobachten zu können, um an Beweise
meiner "feindlichen" Tätigkeit und an mögliche "Hintermänner" zu kommen.

Für die Überwachungsorgane stand fest, es hier mit einem Agenten zu tun zu haben. Wer
Polizeigebäude eines Polizeistaates knipst, kann nur dem Feind zuarbeiten, zumal er noch
vorher verwerflicherweise die Geldumtauschaktion in allen ihren Nuancen an mehreren
Umtauschstellen abgelichtet hat. Das klingt dann in der Aktennotiz des Ultn. Tsch........
von Kreisdienststelle Meissen vom 12.2.1958 so:

(Überwachte Geldumtauschaktion in Meissen -
Fotos am 13. Okt. 1957 von Karl-Heinz Heubaum)

"Aus dem gesamten Verhalten des H e u b a u m war zu entnehmen, dass er umfangreiche
Aufnahmen von dieser Aktion erreichen wollte um die gesamte Aktion einschätzen zu können.
Was ihm an diesem Tag als Wertvoll erschien, hielt er im Bild fest." Wirklich bezeichnend!?!?!?

Dieses und alle "Erkenntnisse" aus den vorangegangenen Kundschftertätigkeiten führten zu
einem Bericht an die Bezirksverwaltung Dresden mit der Aufforderung den § 15 des STEG
zur Anwendung zu bringen. Paragraph 15 lautet:

"Wer Nachrichten, die geeignet sind, die gegen die Arbeiter-und-Bauern-Macht oder andere
friedliebende Völker gerichtete Tätigkeit der in § 14 genannten Stellen oder Personen
(die für feindlich gesinnte Staaten arbeiten - khh.) zu unterstützen, für sie sammelt oder
ihnen übermittelt, wird mit Zuchthaus bis zu zehn Jahren bestraft."

Hier nun die Seiten 47, 48 und 49 der Stasi-Akte mit dem erwähnten Bericht. Leider gibt
es da Wiederholungen und schon Bekanntes, wodurch er langatmig wirkt. Wo es geht und
nicht sinnentstellend ist, wird gekürzt:

***

Kreisdienststelle M e i s s e n
----------------------------------------

Meissen, den 13.2.1958 - Ku./Fö.

S a c h s t a n d s b e r i c h t
.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.

über das operative Material H e u b a u m

Ü.-Vg. 54/58

(Nach Angaben zur Person und den Aufenthaltsorten in Westdeutschland fährt der Text fort:)

Am 12.12.1955 kehrte er in die DDR zurück und gab an, dass er in Westdeutschland strafrechtlich
verfolgt würde, da er sich angeblich gegen die Aussenpolitik Adenauers gewandt hätte.
... ... ... ...
H e u b a u m unterhält zahlreiche Westverbindungen. Durch die Abteilung "M" (M des MfS hatte
die Kontrolle des Brief-, Paket- und Telegrammverkehrs unter sich - khh.) wurden uns allein 14
Briefe mit westdeutschen Adressen übersandt. Desweiteren wurde festgestellt, dass H e u b a u m
des öfteren nach Westberlin fährt. Dies wurde durch eine Kontaktperson bestätigt, welche im Grund-
stück des H e u b a u m wohnt. Genaue Termine konnte sie jedoch nicht mehr nennen. Zuletzt
hielt er sich in Westberlin vom 6.12. bis 10.12.1957 auf. Aus einem angehaltenen Brief ist ersichtlich,
dass er vermutlich bei einem gewissen G.B. (Name u. Anschrift bekannt - khh.) sich aufhielt.

Eine Überprüfung im VEB EWS (Arbeitsstelle - khh.) ergab, dass er an folgenden Sonnabenden von
seiner Arbeit fern blieb:

23. 2. 1957 - 30. 3. 1957 - 13. 4. 1957 - 4. 5. 1957 -

Es ist zu vermuten, dass H e u b a u m an diesen Tagen in Westberlin sich aufgehalten hat.

(Es folgt ein von der Gauckbehörde vollkommen geschwärzter Absatz - khh.)

Durch die bisherige operative Bearbeitung wurde festgestellt, dass H e u b a u m bewusst Nach-richten sammelt,
die geeignet sind, das Ansehen der DDR zu schädigen bzw. Aufschluss über
bestimmte Objekte zu geben.

=============================================
"Das Landgericht Hamburg hat dem Magazin SPIEGEL
untersagt, den PDS-Bundestagsgruppenchef Gregor Gysi
weiterhin als 'IM Notar' der DDR-Staatssicherheit zu be-
zeichnen." Laut Meller Kreisblatt meinten die Richter, dass
der SPIEGEL keine ausreichenden Beweise erbracht habe.
=============================================

Folgende Beweise sind vorhanden:
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1.)
Am 13.10.1957 anläßlich der Geldumtauschaktion wurde von dem VP-Offizier Ltn. Vö..... fest-
gestellt, dass H e u b a u m die vor der deutschen Notenbank Meissen, Rathenauplatz anste-
hende Schlange von Bürgern fotografierte. Er wurde zum Zwecke der Personenfeststellung der
VP-Dienststelle zugeführt. Nach einer Verwarnung wurde er auf unsere Anweisung hin entlassen.
Die im Anschluss durchgeführte Beobachtung durch den Gen. Ultn. Tsch........ (Name bekannt -
khh.) ergab, dass er von der VP-Dienststelle seine Wohnung aufsuchte und anschliessend sich zur
Geldumtauschstelle "Hamburger Hof" begab und dort wiederum fotografierte. Durch den Gen.
Ultn. Tsch........ wurde bestätigt, dass H e u b a u m umfangreiche Aufnahmen machte, um die
gesamte Aktion der Stadt Meissen einschätzen zu können.

2.)
Durch eine Kontaktperson im Konsum-Fotohaus Meissen wurde festgestellt, dass H e u b a u m
sich ... ... am 13.6.57 eine Kleinbildkamera Contax mit allem erforderlichen Zubehör kaufte. Der
Preis betrug ca. 1.ooo DM.

Am 19.12.1957 kaufte er sich die Filmkamera AK 8 (... .... ...) Hinzu kommt, dass er über einen
grösseren Radioapparat verfügt, eine Reiseschreibmaschine besitzt er, seine Frau sowie seine drei
Kinder modern gekleidet gehen.

Aufgrund dieser Angaben ergibt sich der Verdacht, dass H. über seine Verhältnisse lebt, seine Frau
ist nicht berufstätig.

3.)
Am 3.2.1958 suchte H e u b a u m das Konsum-Fotohaus Meissen auf, um sich einen Film ent-wickeln zu
lassen. Durch die dort vorhandene Kontaktperson gelangten wir in den Besitz der
Bilder des zu entwickelnden Filmes. Dabei wurde festgestellt, dass 3 Aufnahmen von der Hafen-
anlage Meissen gemacht wurden, 2 Aufnahmen mit sowjetischen Soldaten, 1 Aufnahme zeigt ein
Hinterhaus der Meissner Altstadt, 4 Aufnahmen vermutlich vom VEB-Pumpwerk-Niederwartha
sowie 5 Landschaftsaufnahmen.

4.)
Durch die im Grundstück wohnhafte KP P...... wurde uns mitgeteilt, dass sie den H e u b a u m
am 14.1.1958 gegen 8.3o Uhr in der Nähe des Hafens angetroffen hat. Am gleichen Vormittag
begab er sich auf den Boden (unterm Dach - khh.) des Hauses und machte ebenfalls Aufnahmen.
Nach ihren Angaben hat man von dort aus Einblick in die Panzerwerkstatt "Imperial" der sowje-
tischen Armee. (Es folgt ein ganzer Absatz, der von der Gauckbehörde total geschwaerzt wurde -
warum eigentlich? - khh.)

5.)
Am 11.2.1958 gegen 1o.5o Uhr bemerkte der Torposten des VPKA Meissen, Hafenstrasse,
VP.-Hptw. K...... (Name bekannt - khh), dass eine ihm unbekannte männliche Person dass
VPKA Meissen fotografieren wollte. Durch ihn wurde veranlasst, dass genannte Person der
Abt. K zur Überprüfung zugeführt wird. Dabei wurde festgestellt, dass es sich wiederum über
den genannten H e u b a u m handelt. Auf Befragen gab er an, dass er z. Zt. mit seiner
Schmalfilmkamera AK 8 für sich einen Film von Meissen aufnimmt. Er hätte die Absicht gehabt,
das Gebäude des VPKA Meissen wegen der farbigen Wandkacheln zu filmen. Das Gebäude sei
eine Sehenswürdigkeit von Meissen. Er gab an, dass er vom Gebäude des VPKA noch keine
Aufnahmen gemacht hätte, da er noch ein Fahrzeug und wie er sich ausdrückte, Bewegung
bei der Filmaufnahme haben wollte.

--
Seine feindliche Einstellung kommt auch in seinen nach Westdeutschland gerichteten Briefen zum
Ausdruck.

Am 14.5.1957 schrieb er an einen Gerhard B..... (Name natuerlich bekannt - khh.) in Westberlin,
dass selbiger für ihn in Westberlin einen Brief postlagernd im Postamt Berlin-Wilmersdorf aufgeben
soll. Gleichzeitig bat er, diesem Brief westdeutsche Zeitungen beizulegen. (Weil man als DDR-
Bürger westdeutsche Zeitungen lesen wollte war man ein Feind. - khh.)

Am 9.11.1957 schrieb er an einen Fritz K...... (Name bekannt - khh.), Remscheid, (Schwärzung -
khh.), dass selbiger 1oo,-- Westmark erhalte und diese an den Gerhard B... nach Westberlin
schicken soll. H e u b a u m wolle sich dort diesen Betrag persönlich abholen.

Am 23.11.1957 schrieb er an einen G. R. (Name von mir gekuerzt - khh.), Oberammergau, ...
Er bat selbigen, an den bereits erwähnten B..... folgende Hetzmaterialien zu schicken:

SOS-Rufe aus den USA, die Bankierverschwörung von J. Island und Sowjetagenten überall.
H e u b a u m wollte sich diese Zeitschriften persönlich dort abholen (es waren Bücher - khh.).

Am 5.1.1958 schrieb er an einen Hans H.... in Nürnberg (Strasse geschwaerzt und Name von
mir gekürzt - khh.). Im Brief brachte er zum Ausdruck:

"Ein Leben lang möchten wir nicht noch hier verbringen und wer kann heute sagen, wann die
Wiedervereinigung kommt. Wir haben in dieser Beziehung sehr wenig Hoffnung. Meine Kinder
möchte ich auf keinen Fall in die DDR-Schulen gehen lassen, als Herzkranke kämen sie wieder
heraus. Fast alle Kinder sind hier herzkrank oder nervös, weil sie in der Schule überfördert
werden."

Wir sind der Meinung, dass aufgrund des angeführten Materials der § 15 des STEG erfüllt ist
und H e u b a u m dementsprechend zur Verantwortung gezogen werden muss.

Unterschrift
K.... (Name von mir gekürzt - khh.)
Ltn.

****

Kommentar: Bezüglich der Schulkinder würde ich heute ganz anders formulieren. Ohnehin
vermute ich, dass ich wegen der eventuellen Briefkontrollen nicht zu drastisch und offen
schreiben wollte. Tatsache ist, dass wir Eltern schliesslich die sog. "Republikflucht" vorbe-
reiteten, weil wir u.a. nicht wollten, dass unsere Kinder der Zweigleisigkeit des DDR-Alltags
ausgeliefert werden. Eine Zweigleisigkeit, die darin bestand, dass die Kinder in der Schule
nach aussen so tun mussten, als wäre der Staat - diese DDR - diese sog. Arbeiter-und-
Bauern-Macht mit seinen ganz offensichtlichen Widersprüchen und Lebenslügen ein
erstrebenswertes Nonplusultra, während im "Elternhaus" diese Glorifizierung (Die Partei
hat immer recht!) auf die Wirklichkeit reduziert wurde. Schon aufgrund des simplen DDR-
Alltags, der jeden Tag die hehren Sprüche der DDR-Politiker und DDR-Medien als das
entlarvte, was sie waren, leere Phrasen und hohle Worthülsen. Und endlich wollten wir
unsere Kinder nicht der Gefahr aussetzen, dass sie gegen die Eltern ausgehorcht werden.
Das älteste Kind stand kurz vor der Einschulung, also wurde es höchste Zeit mit dem
Rückzug aus der DDR.

Oben: Die Strasse (heute Hainstr.) mit den eintönigen
Mietshäusern führt zum Kasernengelände der Roten
Armee mit der Panzerwerkstatt "Imperial". Heute
rauscht dort der Verkehr von der neuen Autobrücke
im Norden Meissens durch. Einige Fenster sind be-
flaggt anlässlich eines DDR-Festtages, deren es et-
liche gab, wie z. B. am 1. März "Tag der Volksarmee".
Die Begeisterung der Menschen hält sich in Grenzen,
wie an den wenigen Fahnen zu sehen. Nicht zu ver-
gleichen mit den Flaggenorgien im "1000jährigen"
Reich. Damals blieb nahezu kein Wohnungsfenster
ohne Fahne, mehr oder minder freiwillig.
Unteres Foto: Der Hafen von Meissen um 1957.
Es wird die Tonerde für die Meissner Porzellan-
Manufaktur angelandet. Im Hintergrund die alte
Elbbrücke: "Brücke der deutsch-sowjetischen
Freundschaft". Fotos: Karl-Heinz Heubaum, um 1957.

Wie es weitergeht, steht im nächsten WIDERHALL. Fortsetzung folgt.

Weitere Zeitungsauszüge zum Thema:
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"...Joachim Gauck hat vor dem Einsatz ehemaliger
Stasi-Mitarbeiter als sogenannte V-Leute gewarnt,
wie das beim Berliner Verfassungsschutz der Fall
war. Wer das tue, 'muss wissen, worauf er sich
einlässt', sagt Gauck. 'Die Stasi hat die Leute als
Teil ihrer geheimpolizeilichen Strategie der Unter-
drückung eingesetzt.' Deshalb dürfe man an diese
Frage nicht 'blauäugig' herangehen." Meller Kreisbl.
=======================================
"...Joachim Gauck hat auf einer Tagung in Dresden
bedauert, dass viele führende Kirchenleute aus der
ehemaligen DDR, die mit dem Staatssicherheitsdienst
zusammengearbeitet hatten, bis heute kein Schuldbe-
wusstsein zeigen. Das sei unverständlich, da den
Tätern kaum eine Gefahr drohe." Mell.Kreisbl.15.7.99.
========================================
"Wegen Zusammenarbeit mit dem DDR-Ministerium
für Staatssicherheit (MfS) ist in der Thüringer Landes-
kirche erstmals eine ehemaliges Mitglied der Kirchen-
leitung rechtskräftig verurteilt worden. Nach dem Urteil
der kirchlichen Disziplinarkammer wurde dem Oberkir-
chenrat im Ruhestand Hans Schäfer mit Wirkung vom
1.Sept.1998 für die Dauer von fünf Jahren das Ruhe-
gehalt um 20 Prozent gekürzt, teilte die landeskirchli-
che Pressestelle ... in Eisenach mit." MK. v. 15.7.99.
========================================
"Stolpe-Ermittlungen eingestellt. (Staatsanwaltschaft:
Umstände der Verleihung des DDR-Verdienstordens
nicht zu klären - khh.)
"Wie der Zufall so spielt. Sieben Jahre hat das Ermitt-
lungsverfahren gegen den brandenburgischen Regie-
rungschef Stolpe (SPD) im Zusammenhang mit Stasi-
Vorwürfen gedauert. Sechs Wochen vor der Land-
tagswahl teilt die Staatsanwaltschaft mit, dass kein
hinreichender Tatverdacht festgestellt werden konnte.
Ein Schelm, wer Böses dabei denkt...."
(Meller Kreisblatt vom 23.7.1999)
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"Nachforschungen über Stasi auf Westen ausdehnen".
"Brandenburgs CDU hat gefordert, die Stasi-Aufklärung
auf das alte Bundesgebiet auszuweiten. Mittlerweile sei
bekannt, dass bis zu 30 000 Agenten der DDR in West-
deutschland tätig gewesen seien, erklärte CDU-General-
sekretär Thomas Lunacek am Mittwoch in Potsdam.
'Nur im Westen nimmt das offenbar niemand zur
Kenntnis.' Lunacek verwies auf den Fall des Histori-
kers Hubertus Knabe, dem die Gauck-Behörde die Sach-
gebietsleitung für Stasi-Tätigkeiten im Westen entzogen
hat. Knabe hatte mangelndes Engagement bei der Unter-
suchung von Stasi-Aktivitäten im Westen beklagt."
(Meller Kreisblatt 22.7.1999.)
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Ende der Stasi-Seite des WIDERHALL Nr. 7

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Alle Rechte bei Karl-Heinz Heubaum, einschl. der Fotos.

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LINKs - Verweise - zu den bisher veroeffentlichten drei Teilen der Stasi-Akte:

Für die Sofort-Nachricht an Homepage-Inhaber:
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