Der folgende Text ist der Web Seite des Herrn Heubaum entnommen. Das Original ist unter
http://home.t-online.de/home/333200000069-2/wh3.htm zu finden.
Ministerium für Staatssicherheit - DDR.
Nun die angekündigte Veröffentlichung meiner sog. Stasiakte. Ich hatte es schon einmal erwähnt: Da geben sich ohne jede
Not und ohne jeden Vorteil Nachbarn her, um Mitmenschen buchstäblich ans Messer zu liefern und zwar ohne Rücksicht auf
Ehepartner und Kleinstkinder. Selbst die noch nicht schulpflichtigen Kinder wurden ausgehorcht und bespitzelt. Das Schlimme
daran: es ist in jedem System möglich, denn der Mensch ist so.
,,Was ist der Mensch?
Jedenfalls nicht das,
was er sich einbildet zu sein,
nämlich die Krone der Schöpfung." (Wilhelm Raabe)
Mit Zustimmung der SPD ist nunmehr die Privatwohnung auch in der Bundesrepublik vor staatlicher Lauscherei nicht mehr
sicher, angeblich zur Verbrechensbekämpfung:
,,Bonn (AP). Das Ausführungsgesetz zum sogenannten grossen Lauschangriff erlaubt der Polizei von heute an das Abhören
von Privatwohnungen zur Verbrechensbekämpfung." Meller Kreisblatt vom 9. Mai 1998.
DIE STASIAKTE:
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§ 3, Absatz 2 Stasi-Unterlagen-Gesetz: ,,Jeder einzelne hat das
Recht, die Informationen und Unterlagen, die er vom Bundes-
beauftragten erhalten hat, im Rahmen der allgemeinen Gesetze
zu verwenden".
,,Das durch Artikel 5 I GG (Grundgesetz) gewährleistete Recht
des Einzelnen auf öffentliche Verbreitung zutreffender Behaup-
tungen und das Recht der Öffentlichkeit auf wahrheitsgemässe
Information rechtfertigt nicht schlechthin jede wahre Mitteilung
über eine Person, sondern nur solche, an deren Kenntnisnahme
die Öffentlichkeit ein berechtigtes Interesse hat."
So u. a. das OLG Magdeburg v. 25. 11. 1993; AZ.: 4U105/93.
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,,...die schutzwürdigen Interessen betreffenden
Informationen zu anderen Personen sowie solche
Informationen, die ausschliesslich andere Personen
betreffen werden anonymisiert" (geschwärzt).
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Wie in der letzten Homepage (Widerhall Nr. 2) angekündigt,
beginne ich hier mit dem Nachdruck meiner Akte der DDR-
Staatssicherheit (Stasi). Völlig unwesentliche Aufzeichnungen
bleiben aussen vor. Unwahrheiten und falsche Einschätzungen
der Stasileute kommentiere ich. Bei der Gauckbehörde, beim
Justiz- und beim Innenministerium, so wie bei mehreren sog.
Datenschutzbeauftragten wollte ich mich wegen der Veröffent-
lichung der Akte rechtskundig machen. Ich wurde aber leider
kaum schlauer. Z. B. war die Mitteilung aus der Gauckbehörde
wenig hilfreich: ,,...dass mit der Übergabe der Kopien (der Stasi-
akte) die Verantwortlichkeit im Fall einer weiteren Verwendung
beim Empfänger liegt". Vielfach hat man mich auf einschlägige
Gerichtsurteile aufmerksam gemacht. Aber selbst die sind keine
Hilfe, denn sie sind widersprüchlich. Deswegen und wegen der
bei uns - wie ich nun zugegebenermassen erkennen muss -
strengen Datenschutzbestimmungen und der schwammigen
Rechtsauskünfte gebe ich die Namen der Stasileute, der Spitzel
und Stasizuträger der Öffentlichkeit nicht bekannt. Es ist nämlich
inzwischen schon so, dass diese Individuen oder deren Nach-
kommen schutzwürdige Interessen geltend machen können.
Seite 1 - Stasiakte Karl-Heinz Heubaum
Regierung der
Deutschen Demokratischen Republik
Ministerium des Inneren
Staatssekretariat für Staatssicherheit
<GVS> = Geheime Verschlußsache
Kreisdienststelle Meissen
ÜBERPRÜFUNGSVORGANG Nr. : 54/58 - Band Nr.: I
Beginn: 20. 2. 1958.
Beendet: 31. 10. 1958.
Archiv Nr. 267/58
Anzahl der Blätter: 86
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Es folgen Blätter mit dem handgeschriebenen Inhaltsverzeichnis.
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Seite 4 - Stasiakte Karl-H. Heubaum
Regierung der
Deutschen Demokratischen Republik
Ministerium des Innern
Staatssekretariat für Staatssicherheit- <Geheime Verschlußsache>
Bezirks-Verwaltung Dresden - Kreisdienststelle Meissen
Meissen, den 20.2.1958.
BESCHLUSS
für das Anlegen eines Überprüfungs-Vorganges
Registriernummer: 54/58 über
Name und Vorname: Heubaum Karl-Heinz
Geburtstag und Ort: ................ in Dresden
Beruf und Familienstand: verheiratet
Wohnadresse: Meissen Louise Otto Str. 1
Gründe für das Anlegen des Vorganges: Durch offizielle und inoffizielle Hinweise wurde bekannt, dass der H.laufend
Nachrichten sammelt, die bei der entsprechenden Auswertung das Ansehen der DDR schädigen. Er steht somit im Verdacht
Handlungen durchzuführen die nach dem § 15 des STEG bestraft werden.
Es folgen auf Seite 5 die Unterschriften des Ltn. K u.a.
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Wer Nachrichten sammelt und sie an
gegnerische Staaten oder deren
Vertreter übermittelt, wird mit Zuchthaus
bis zu 10 Jahren bestraft.
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(Der § 15 lautet: Sammlung von Nachrichten. Wer Nachrichten, die
geeignet sind, die gegen die Arbeiter- und Bauernmacht oder andere friedliebende Völker gerichteten Tätigkeit der in § 14
genannten Stellen oder Personen zu unterstützen, für sie sammelt oder ihnen übermittelt, wird mit Zuchthaus bis zu zehn Jahren
bestraft. - Die ,Stellen' in § 14: Staaten od. deren Vertreter, die einen Kampf gegen die Arbeiter- und Bauernmacht od.
andere friedliebende Völker führen. - K.-H.Heubaum)
Auf Seite 6 ist ein sogenannter "Aufstellungsbogen" als Geheime Verschlußsache der Stasi festzustellen, über die Mitarbeiter,
die in dem Überprüfungsvorgang, Reg.-Nr. 54/58 Einsicht genommen haben:
1. oben erwähnter K und ein weiterer (unleserlich). Aus der Registriernummer 54/58 ist zu ersehen, dass es bereits in den
ersten sieben Wochen des Jahres 1958 allein in der Kleinstadt Meissen an der Elbe mit knapp fünfzigtausend Einwohnern
vierundfünfzig "Überprüfungsvorgänge" der Staatssicherheit gab. Es reicht fast nicht die Vorstellungskraft aus, um diese Zahl
auf das gesamte Gebiet der DDR und die Vierjahrzehnte Stasi-DDR hochzurechnen. - Heubaum
Seite 7 der Akte ist ein Formular ,,Index" über die im Überprüfungsvorgang 54/58 genannten Personen: Heubaum Karl-Heinz
(unterzeichnet unleserlich) mit der weiteren Bemerkung: ,,Es fallen keine weiteren Personen an. K..."
Seite 8 ist ein gleiches Formular mit der Bemerkung: ,,Der Vorgang wurde auf feindliche Objekte ausgewertet. Unterschrift
K..."
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Sie werden gebeten, über Heubaum, Karl-Heinz...
am 11.11.1955 von München zugezogen ...
vollständige konspirative Ermittlungen zu führen.
Leiter der Abteilung VIII, Unterschrift: N... Hauptmann
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Seite 11 der Stasiakte:
(Hier ist eine Diskrepanz festzustellen: Der sog. ,,Überprüfungsvorgang" Nr. 54/58 wurde am 20.2.58 angelegt. Aber die
ersten Stasi-Dokumente datieren schon ab April 1956. Nach nur 19 Wochen Wohnungsnahme in der DDR begann die
Bespitzelung.)
***
Ministerium für Staatssicherheit
Bezirksverwaltung Dresden
- Abteilung VIII -
Dresden, den 7. April 1956, Tagebuch-Nr. VIII/Z 224/577/56/Be.
An das Ministerium für Staatssicherheit
Kreisdienststelle
M e i s s e n
Betrifft: Freundauftrag
Sie werden gebeten, über
H e u b a u m , Karl-Heinz
geb. am .... in Dresden
am 11.11.1955 von München zugezogen
seit 16.12.1955 in Meissen,
Luise-Otto-Str. 1 wohnhaft
vollständige konspirative Ermittlungen zu führen.
Leiter der Abteilung VIII
Unterschrift N...
Hauptmann
Termin: 21.April 1956
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Er war als Zeitungsverleger tätig und gab
die Monatszeitschrift ,,Der Widerhall" heraus.
Die Rückkehr in die DDR begründete er damit,
dass er wegen der Angriffe und Kritik an
Adenauer 6 Monate ins Gefängnis sollte.
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Seite 12 der Stasiakte:
Dienststelle Meissen
Meissen, am 21.4.1956. Ra./Kn.
E R M I T T L U N G S B E R I C H T
H e u b a u m , Karl-Heinz, geb. am ...............in Dresden
wohnhaft in Meissen, Luise-Otto-Strasse 1
(richtig muss es heissen: Louise-Otto-Str.)
Beruf: Zimmermann
jetzt: Zimmermann VEB Kreisbaubetriebe Meissen
(VEB = Volkseigener Betrieb)
Soz. Herkunft: unbekannt
(,,unbekannt"? Meine Eltern lebten im Zugriffsbereich der Stasi, in Dresden, wenig effizient mitunter die Stasi.)
Fam.Stand: verheiratet
Nationalität: Deutscher
Staatsangeh.: Deutschland (ei, ei, nicht DDR od. BRD, sondern
Deutschland. Wie das, wie das?)
Parteizugeh.: ohne
Religion: unbekannt
Strafhinweise: o h n e
DPA-Nr.: XII 1786 606
Ehefrau: Heubaum, Christa, geb. K..., geb. am (die weiteren Daten sind von der Gauckbehörde geschwärzt <anonymisiert>.
Darf ich den Geburtstag meiner Frau nicht erfahren?)
Die Eltern des Obengenannten sind der Heubaum, Martin, geb.am
(Schwärzung) in (Schwärzung) und dessen Ehefrau die Heubaum,
Luise, geb. Neumann, geb. am (Schw.) in (Schw.)
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Damals hatte man keine freie Wohnortwahl,
was mit der Kriegszerstörung der Städte und den
Flüchtlingsströmen begründet wurde. - KHH
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von 1934 bis 1942 besuchte er die Schule in Dresden. Während seiner Lehrzeit besuchte er die Berufsschule ebenfalls in
Dresden. Ob er Fremdsprachen beherrscht, konnte nicht festgestellt werden. Nach erfolgter Schulentlassung erlernte er in
einem Dresdner Betrieb 3 Jahre das Zimmermannshandwerk. Nach 1945 verliess er aus Abenteuerlust, wie er selbst bei der
Volkspolizei angegeben hat, die DDR (in Wahrheit verliess ich die Sowjetzone im Sommer 1946 - nicht 45 -wegen der
miserablen Versorgungslage. KHH). In Westdeutschland war er anfangs als
Zimmermann tätig und war weiterhin als Zeitungsverleger beschäftigt. Nach seinen Angaben bei der VP (Volkspolizei) war er
später als selbständiger Zeitungsverleger tätig und gab die Monatszeitschrift ,,Der Widerhall" heraus. Seine Rückkehr in die
DDR begründete er damit, dass er in seiner Zeitschrift die Aussenpolitik Adenauers angegriffen habe und dafür 6 Monate
Gefängnis erhalten sollte. Von Westdeutschland aus verzog er nach Dresden, wo er keine Zuzugsgenehmigung erhielt und von
da aus nach Meissen umgesiedelt wurde (damals hatte man keine freie Wohnortwahl, was mit der Kriegszerstörung der
Städte und den Flüchtlingsströmen begründet wurde- KHH).
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Im Wohnbezirk tritt er überheblich auf. -
Moralische Schwächen konnten nicht
festgestellt werden. Sektentätigkeit
wurde nicht festgestellt.
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In der ersten Zeit wohnte er im Hotel ,,Hamburger Hof" Meissen. Nach Erhalt einer Wohnung liess er seine Frau aus
Westdeutschland nachkommen. Bemerkenswert ist, dass seine Frau Deckbetten, ein Radio und 1 Hilfsmotorrad mit nach hier
brachte. Nach eigenen Angaben hat er von seinem Bruder, (Daten geschwärzt - KHH) Unterstützung in Möbeln und Geld
erhalten. Desweiteren hat er einen Darlehen bei der Deutschen Notenbank aufgenommen. Die Höhe des Darlehens konnte nicht festgestellt werden.
Ob Heubaum bei der faschistischen Wehrmacht gewesen ist, wurde nicht in Erfahrung gebracht.
Soweit bekannt ist, beteiligt sich H. nicht am gesellschaftspolitischen Leben. Zu politischen Fragen nimmt er keine Stellung und
verhält sich loyal.
Verbindungen nach Westdeutschland bestehen zu seinen Schwiegereltern nach München. Von da aus hat er in letzter Zeit
mehrere Pakete erhalten. Ausserdem muss er noch mit einem Geschäftsmann aus München in Verbindung stehen, da er von
diesem ebenfalls ein Paket erhalten hat.
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,,Woher haben Sie denn das Geld für den
Möbelkauf"? Geistesgegen wärtig schob
ich meinen Bruder vor. ,,Verdient der so viel?"
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Im Betrieb wird er als guter Arbeiter geschildert. Im Wohnbezirk tritt er sehr überheblich auf und stellt Forderungen an den
Hauswirt in bezug auf seine Wohnung. Des weiteren ist er sehr explosiv veranlagt und stellt dabei seine Person in den
Vordergrund und betont, dass er Rückkehrer sei und ihm alle Rechte eingeräumt werden. Moralische Schwächen konnten
nicht festgestellt werden. Sein Eheverhältnis ist geordnet.
Verkehr pflegt er mit seinem Bruder, der ihn des öfteren an Sonnabenden oder sonntags besucht. Fremdbesuch empfängt
er in seiner Wohnung nicht.
Das Glaubensbekenntnis des H. konnte nicht ermittelt werden.
Sektentätigkeit wurde nicht festgestellt.
Strafen krimineller Art über ihn sind bei uns nicht bekannt. Vermögen besitzt er keins.
1953 ging er die Ehe mit Heubaum, Christa (Schwärzung - KHH) ein. Aus dieser Ehe entstammen 2 Kinder.
Die Ermittlungen wurden eingeholt beim VPKA (Volkspolizeikreisamt-KHH) Meissen, Abteilung EMA (Einwohnermeldeamt
- KHH), dem Genossen ABV
(Abschnittbevollmächtigter der Deutschen Volkspolizei - KHH), U.Komm. B. (voller Name ist bekannt - KHH), durch
Hausbuchkontrolle bei Frau Krumpholz sowie dem Parteisekretär Genossen M (Name bekannt-KHH), VEB (Volkseigener
Betrieb-KHH) Bauwerke Meissen.
Unterschrift des B. (Name bekannt-KHH) Oberfeldw.
***
Nachwort zu diesem Bericht:
Meine Frau hat auch noch sehr viel mehr aus Westdeutschland mitgebracht, als die Stasi melden konnte. Z. B. eine
Schreibmaschine, von der noch sehr viel die Rede sein wird. Aber das Wichtigste hat der Berichterstatter vergessen: sie hat
unsere zwei Kinder mitgebracht. Darüber hinaus hat meine Frau einen grösseren Geldbetrag (Ostgeld) in den Schuhen
versteckt mitgebracht, was ja streng verboten war. Davon konnten wir sofort Möbel kaufen, was der
Abschnittbevollmächtigte bei seinem ,,Antrittsbesuch" in der Wohnung erstaunt rügte: ,,Woher haben Sie denn das Geld zu
diesem Möbelkauf?" Geistesgegenwärtig schob ich meinen Bruder vor. ,,Verdient der denn so viel, dass er Geld verleihen
kann?" Als Ingenieur beim Schwermaschinenbau, reagierte ich schlagfertig. Daher im Bericht der Hinweis auf meinen Bruder.
Wenn man hätte nachweisen können, dass das Geld für die Möbel illegal eingeführt wurde, hätte das das sofortige Gefängnis
bedeutet.
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Dass die gefürchtete Staatssicherheit
nicht in der Lage war, herauszufinden,
,,ob Heubaum bei der faschistischen
Wehrmacht war" ist beschämend für die
Überwacher, auch wegen anderer ,,Pannen".
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Dieses Vorkommnis zeigt aber auch wieder, dass zwar eine staatliche Überwachung umfassend sein kann, aber niemals
effizient vollkommen. Man hat schlicht versäumt, meinen Bruder einer Kontrolle zu unterziehen. Aber vielleicht hätte man auch
da nicht viel erreicht, denn ich hatte ihn natürlich sofort vom Vorfall unterrichtet und entsprechend präpariert.
Zu politischen Fragen nahm ich keine Stellung, natürlich nicht. Wenn ich nicht Kopf und Kragen riskieren wollte, hätte ich
mich ja dabei verbiegen müssen. Also nahm ich überhaupt keine Stellung.
Dass in einem Staat, in dem die Diktatur der Arbeiter und Bauern herrscht, die allmächtige Volkspolizei im Verein mit der
gefürchteten Staatssicherheit nicht in der Lage ist, heraus zu finden ,,ob Heubaum bei der faschistischen Wehrmacht" war und
welcher Religion dieser ,,H." anhängt, ist einerseits für das Unternehmen Polizei- und Überwachungsstaat beschämend,
andererseits verleiht diese Tatsache dem System fast schon wieder so etwas wie menschliche Züge.
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Eine weitere Fehlleistung der Spitzel:
Meine Schwiegereltern haben nie in
München gewohnt, auch nicht zeitweise.
Die Post von ihnen kam aus Melle,
nicht aus München.
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Die ,,Forderungen an den Hauswirt" bestanden darin, dass ein Teilstück eines Fussbodenbrettes in der Küche erneuert
werden sollte, weil es durchgefault war. Die Hauswirtin (kein Hauswirt!) machte mir klar, dass sie nirgendwo ein Brettstück
zur Instandsetzung bekomme. Ich ,,organisierte" mir schliesslich auf der Baustelle ein Brettstück, das ich einbaute. Des
weiteren hatte ich die Hauswirtin auf die übervolle Abortgrube aufmerksam gemacht, aus der die Würmer schon über den Flur
krabbelten. Das Haus hatte bis zum DDR-Beitritt Plumpsclo, wie fast überall in Meissen. Leider hatten es die volkseigenen Sanitärreiniger
nicht eilig. Die waren nämlich längst bestellt, wie die Frau versicherte. Nur die liessen auf sich warten. Die waren sicher auf
dem Siegesmarsch zum Kommunismus ins Stocken geraten.
Die Beurteilung, dass ich ,,explosiv veranlagt" sei, stammt vom Abschnittbevollmächtigten der Volkspolizei. Ein solcher
Bevollmächtigter hatte in der DDR ein bestimmtes Wohngebiet ,,unter sich". Er hat die Bewohner zu beobachten und
Auffälligkeiten zu melden. An einem Werktagmorgen wollte ich gerade mit meinem ,,Hilfsmotorrad" vom Hof wegfahren, als mich eine Stimme aus dem zweiten Stock des Treppenhauses
anschrie, wieso ich nicht zur Arbeit sei. Ich schrie zu der Uniform nach oben zurück, dass ich krank geschrieben sei. Und
dann explodierte ich - wobei mir seine Möbelschnüffelei in der Wohnung zusätzlich in Erinnerung kam - und ich brüllte nach
oben zu dieser Uniform, dass ihn meine Privatsachen gar nichts angingen, aber auch
rein gar nichts. Setzte mich aufs Rad und fuhr von dannen.
Fortsetzung HIER - Alle Rechte bei Karl-Heinz Heubaum.
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WIDERHALL Nr. 2 vom Februar 1998 (Heubaum-Homepage 2)
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