Orginaltext unter http://www.br-online.de/politik/ard-report/2001/report_0709/pds.html Einige Textstellen wurden durch Fettdruck oder Farbe hervorgehoben.
Report aus München
Mit den alten SED-Kadern in einem Boot:
Das wahre Gesicht der PDS
Autor: Stefan Meining
Berlin am Samstag Nachmittag: Gysi kommt. Die Show beginnt: Heiße Lieder
und coole Sprüche:
Gregor Gysi, designierter PDS-Spitzenkandidat:
"Aber ich mache das mit dem Anspruch, wenn, dann regierender Bürgermeister
aller Berliner und Berlinerinnen zu werden. Aber nicht, wie der bisherige Senat
es immer misszuverstehen, dass man dort stellvertretend für eine Partei sitzt und
nur das macht, was der eigenen Partei nutzt."
Dank SPD und Gregor Gysi ist die SED-Nachfolgepartei auf dem Weg zurück zur
Macht. An Gysis Seite: der sogenannte Ältestenrat der PDS. Ein 34köpfiges
Beratergremium aus ewiggestrigen Westlinken und zahlreichen, ebenso
belasteten wie hochdekorierten SED-Spitzenfunktionären.
Beispiele:
DDR-Außenminister Oskar Fischer, er lehnte noch im November 1989
Wiedergutmachungszahlungen an Israel ab. Fischer war von 1960-1962
Sektorenleiter im ZK der SED und von 1971-1989 Mitglied des ZK der SED.
Günter Sieber bezeichnete den Freiheitskampf der polnischen
Gewerkschaftsbewegung als "Konterrevolution". Er diente von 1980-1989 als
Leiter der Abteilung Internationale Beziehungen im ZK der SED und 1981-1989
als Mitglied des ZK der SED; und schließlich der Altkommunist Werner Eberlein.
Er war von 1983-1989 der 1. Sekretär der SED-Bezirksleitung Magdeburg und
von 1986-1989 Mitglied des Politbüro des ZK der SED. Der Spiegel- und
Sachbuchautor Henryk Broder beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit der
Vergangenheitsbewältigung der beiden deutschen Diktaturen.
Henryk Broder:
"Ich habe nicht das Vergnügen die Herrschaften persönlich zu kennen und ich
habe mich um dieses Vergnügen auch noch nicht bemüht. Ich glaube, das dieser
Ältestenrat das 'missing link' ist, zwischen der Geschichte, die sie haben und der
Zukunft, die sie haben möchten. Ich glaube allerdings nicht, das der Ältestenrat
in der Lage sein wird, neue Wähler und Jüngere vor allem anzuziehen, das nicht.
Aber er verbürgt sich für historische Kontinuität."
Dennoch beraten diese SED-Kader Gregor Gysi.
Gregor Gysi, designierter PDS-Spitzenkandidat:
"Ich finde das gar nicht schlecht, so ein Gremium zu haben, wo sie ihre
Erfahrungen noch mal einbringen können, aus ihrer Sicht. Die haben ja auch
eine Menge dazu gelernt, die mussten sich ja auch auseinandersetzen mit all
dem was es an Entwicklung gegeben hat."
Manfred Wilke, Forschungsverbund SED-Staat:
"Das Problem besteht ja darin, dass er umso klarer, dass die PDS umso klarer
ihre eigenen Geschichtspolitik betreiben kann, wenn die anderen, ihre Gegner
auf die eigene Erinnerung verzichten. Und das ist genau der Punkt, um den es
hier geht. Es ist die übliche politische Doppelmoral, die die Kommunisten
immer, solange es sie gibt, gezeigt haben."
Antifaschistische PDS-Doppelmoral auch beim Thema Israel und Judentum.
Donnerstag in Berlin: Israels Premierminister Scharon und Bundeskanzler
Schröder gedenken der Opfer des Holocaust.
Zur gleichen Zeit besuchen wir die Internetseite der PDS
Berlin-Hohenschönhausen. Dort lesen wir unter dem Stichwort "Palästina"
Sätze wie:
"Moses war, wenn er überhaupt existiert hat, Ägypter."
"Das zionistische Konzept Herzls und seines Nachfolgers war nationalistisch und
rassistisch."
"Genau in der Zeit der Judenverfolgung, der massenhaften Flucht von Juden ins
Ausland, versagte der Zionismus."
Für den Antisemitismusexperten und Juden Broder ist die Ausarbeitung ein
Riesenskandal:
Henryk Broder:
"Sie wollen ihre Seelen auf den Tisch legen und diese alten Seelen verlangen
nach Nahrung und die alte Nahrung ist eben Antiimperialismus, Antizionismus,
und das was die für Antirassismus halten. Das interessante an diesem Papier:
sämtliche antisemitischen Klischees und Stereotype werden nochmals aufgelegt,
wiederaufgelegt und aufgefrischt. Das fängt damit an, das Moses überhaupt
keine authentische Figur der Geschichte war, also eine weitere jüdische
historische Legende, wenn sie so wollen, eine jüdische Propaganda-Lüge und es
endet damit, das die Zionisten mit dem Großkapital kollaboriert haben. Also
alles was die antisemitische Propaganda gewusst hat und verbreitet hat, findet
sich da wieder."
Sonntag Mittag. Parteitag der Berliner Sozialdemokraten. Für die
Spitzengenossen aus dem Westen stellt eine Koalition mit der PDS kein
wirkliches Problem mehr dar. Für Sozialdemokratinnen wie Rosemarie Grau,
deren Wohnung jahrelang von der Stasi abgehört wurde, dagegen schon.
Rosemarie Grau, SPD-Treptow/Köpenick:
"Wissen sie ich bin ein ehemaliger Ossi und wir hatten natürlich Erfahrung und
das ist ja die Nachfolgepartei der SED und da haben wir doch, möchte ich sagen
Berührungsängste, also ich würde es auf jeden Fall ablehnen eine Koalition mit
der PDS einzugehen."
Zurück auf dem PDS-Straßenfest. Vergangenheitsbewältigung bei den alten
Genossen Fehlanzeige:
Frage Reporter: "Sollte sich denn ihrer Meinung nach die PDS für die
SED-Verbrechen entschuldigen?"
Antwort: "Für was soll sie sich entschuldigen?"
Frage Reporter: "Für die SED-Verbrechen?"
Antwort: "Nein - warum denn?"
Gysi kommt. Die SPD weiß, auf wen Sie sich einläßt.
© Bayerischer Rundfunk 2001
Zurück zur Links Sammlung