WIE KRANK IST ER NUN WIRKLICH ?
Gehirnoperation, 2 Klemmen im Kopf und Gummiringe im Herzen können ihn
nicht aufhalten.
Wir erinnern uns: 19.11.2004, Gysi
Fans in Ost und West gaben eine Hoffnung auf:
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:Die Welt: http://www.welt.de/data/2004/11/20/363221.html
von Tanja Kotlorz
Gregor Gysi (56) hat nach seiner komplizierten Gehirnoperation einen zweiten Herzinfarkt erlitten. "Gysi ist dennoch auf einem guten Weg der Genesung", sagte PDS-Sprecher Hendrik Thalheim. Bei dem PDS-Politiker ist ein ausgebeultes Blutgefäß im Gehirn (Aneurysma) vom Chefarzt der Neurochirurgie am Sankt-Gertrauden-Krankenhaus in Wilmersdorf, Professor Siegfried Vogel, abgeklemmt worden.
Für diesen Eingriff, der durch die geöffnete Schädeldecke stattfand, mußte Gysi die blutverdünnenden Mittel absetzen, die er wegen seiner Herzprobleme nimmt. Diese Mittel hatte er bereits zehn Tage vor der Kopfoperation abgesetzt - sonst hätte die Gefahr bestanden, daß es bei der offenen Kopfoperation zu Blutungen kommt. Der Nachteil des Absetzens der Medikamente: Es kann zu Blutverklumpungen kommen. Der Herzinfarkt ist offenbar Folge dessen, daß die blutverdünnenden Arzneien abgesetzt wurden. Vogel bestätigt: "Das Absetzen der Medikamente hat das Infarktrisiko erhöht". Gysi waren in diesem Jahr wegen seiner Durchblutungsstörungen drei Stents (Drahtröhrchen) implantiert worden, die die Herzkranzgefäße offen halten sollten. Alle drei Stents seien nach der Hirnoperation verschlossen und Ursache des zweiten Infarkts gewesen. "Die verstopften Stents mußten wieder eröffnet werden", sagt Vogel.
Nun rätseln Hirnspezialisten, ob Gysi bei seiner Krankheitsvorgeschichte (bereits ein Herzinfarkt und drei Stents) überhaupt am Kopf hätte operiert werden sollen, oder ob sein Operateur eventuell nicht die beste Behandelungsmethode gewählt hat. "Ich hätte Herrn Gysi in dem Zustand nicht operiert", sagt der Chefarzt der Neurochirurgie im Unfallkrankenhaus Berlin (UKB), Ullrich Meier. Eine solche Kopfoperation bedürfe einer "extrem hohen Abwägung ".
Nach Angaben von Thomas-Nicolas Lehmann, Oberarzt der Neurochirurgie der Charité, gibt es zwei Methoden, eine Aussackung eines Hirngefäßes zu operieren. Bei Gysi wurde die offene OP-Variante gewählt. Die Schädeldecke wurde aufgeschnitten, das ausgebeulte Gefäß von außen mit einem Titanklipp verschlossen. Der Nachteil: Der Patient muß die blutverdünnenden Medikamente absetzen, sonst kann es zu Hirnblutungen kommen. Die Methode mit der geringeren Komplikationsrate, so Lehmann, sei das sogenannte Coiling. Dabei werde dem Patienten ein Katheter über die Leistengegend ins Gehirn geschoben und das ausgebeulte Gefäß von innen mit einem Platinknäuel verschlossen.
Allerdings könne ein solcher Eingriff ohnehin nur von einem Neuroradiologen (Hirngefäßradiologen mit Spezialwissen) vorgenommen werden. Nur wenige Berliner Kliniken, darunter die Charité an den Campi Virchow-Klinikum und Benjamin-Franklin sowie das Vivantes-Klinikum Neukölln und das Helios-Klinikum in Buch beherrschen diese Methode.
Nach Angaben Vogels werde Gysi nun länger auf der Intensivstation liegen müssen. Vogel schloß allerdings bleibende Schäden wie Sprach- oder Bewegungsstörungen aus. "Gysi ist Herr seiner Gedanken und Herr seines Körpers", sagte PDS-Sprecher Thalheim.
Artikel erschienen am Sa, 20. November 2004
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15.3.2005: Copyright die Süddeutsche :
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Berlin, im März – Überall hätte er den Feind vermutet,
nur nicht hier, in seinem eigenen Leib. Zwei Klemmen haben sie ihm in den
Kopf eingebaut und vier Gummiringe ins Herz. Die Narben tun noch ein
bisschen weh, sagt er. Aber das ist es nicht, was ihn umtreibt. |
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Bloß – wie geht das, sich
zu erhalten, runterzubremsen nach Jahren in Höchstgeschwindigkeit, in denen
das Hirn pausenlos in Adrenalin gebadet war? Gysi kämpft jetzt mit diesem Phänomen,
das so viele seiner Kollegen aus Spitzenjobs holt: mit dem Kollaps des
Systems nach mutwilligem Verschleiß. Horst Seehofer hat diesen Kollaps
erlebt, der CSU-Gesundheitsexperte, oder Verteidigungsminister Peter Struck.
Männer, die fast umgekommen sind vor Stress und doch nicht von ihm lassen
können. Aus dem Bundestag gefegt Und dann erzählt Gysi eine Geschichte, die in der
Gegenwart spielt, aber schon vor Jahren begonnen haben könnte. Sie handelt
von den Verlockungen der Macht, vom In-die-Pflicht-genommen-werden und der
Bestechlichkeit des Herzens. Aufzusteigen und wichtige Leute nicht vor den
Kopf zu stoßen, das gehöre zu jeder Karriere, sagt er. Gysi hat sich ja immer
wieder von der PDS in Spitzenämter hieven lassen. Aber es gab wohl auch schon
vor der Wende Menschen, die ihn in die Pflicht nehmen wollten. |