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Folgender Brief hat uns erreicht und soll hier zum Anstoss einer gesunden Diskussion veröffentlicht werden:                               

Dr. med. Albrecht Reichel                                                Löbau/Sachsen zum 9. November 2004

                                                                                         15. Jahrestag des Mauerfalls

e-mail: reichmaral@gmx.de

 Memorandum an die Repräsentanten der BRD: Bundespräsident, Bundestagspräsident, Bundesregierung sowie Mandatsträger der Parteien, wichtige Vertreter der Kirchen, ferner Persönlichkeiten der Öffentlichkeit, die auf die Ereignisse von Herbst 1989 und 1990 besonderen Einfluß genommen bzw. sich überragende Verdienste erworben haben.

 

Wortlaut des Memorandums:

 

Der von Bundesfinanzminister Herrn Dr. Eichel in die Debatte geworfene „Tag der Deutschen Einheit“ zwecks Gewinnung eines zusätzlichen Arbeitstages hatte einen großen Wirbel ausgelöst.

Herr Eichel hatte mit den gewaltigen Kosten die, die Wiedervereinigung gebracht habe und die den Finanzetat belaste argumentiert

Diese Debatte ist mittlerweile vom Tisch.

Die Gesamtproblematik des Nationalfeiertages ist damit aber in den Augen vieler Bürger in Ost und West keineswegs befriedigend gelöst.

Hier meine - und die meiner Freunde- Gedanken und Ansichten in dieser äußerst emotionalen und kontroversen Diskussion:

 

Erstens:            Man schafft nicht nationale Feiertage und diskutiert dann bald      

                      darauf ihre Verlegung oder gar Wiederabschaffung.

                       

Aus dem Ausland ist bereits zu hören, dass wir Deutsche mit unserem

„Feirtags-Hin und Her“ als ziemlich wankelmütig und lächerlich dastehen; viele Deutsche denken genau so und erwarten, dass auch diesbezüglich endlich „Nägel mit Köpfen“ gemacht werden.

            

Zweitens:       Wirklich große nationale Feiertage sollten Jahrzehnte, ja gar Jahrhunderte Bestand haben können. Beispiele: Independence Day der USA am 4. Juli zum Gedenken an der Unabhängigkeitserklärung von 1776  oder bei den Franzosen der 14. Juli der als Tag der Erstürmung der Bastille 1789.

In einem Teil unsere Republik hat  im gleichem Sinne der 31. Oktober als Reformationstag Bedeutung eines Feiertages.

 

Drittens:       Dem gegenüber war die Erhebung des 3. Oktobers zum

                „Tag der Deutschen Einheit“ ein „vom Schreibtisch aus“, 

-vielleicht auch aus den politischen Zeitzwängen heraus - sich ergebende Terminierung.

Ein nationaler Feiertag wurde gewissermaßen „aus der Retorte“ kreiert.

So etwas kann keinen dauerhaften Bestand haben - kein demokratischer Staat  hat meines Wissens so etwas bisher „veranstaltet“ -.

 

Viertens:        Ein wirklich echter, großartiger und von der Nation getragener Feiertag kann im Falle   der deutschen Nation nur der 9. November 1989 sein.

                                              

                    Was wäre da zu feiern?:

 

·         Fall der Berliner Mauer und - damit Höhepunkt der „Friedlichen Revolution“ - , endgültiges Zerreißen  des „Eisernen Vorhangs“ zwischen Ost- und Westeuropa.

 

·         Wiederum damit: Befreiung von Unterdrückung und Bevormundung; Möglichkeit freien Redens und Entscheidens auch in  unseren Nachbarstaaten in Mittel- und Osteuropa, Beginn des Zerbrechens der UdSSR, etc.

 

Für die „kleinen Leute“ vor allem auch Reisefreiheit!

                                               

Fünftens:             Wes wäre an diesem Tag mahnend zu gedenken?:

                   1.      Vor allem der Pogromnacht von 9. November 1938, womit in der Folge die            

                         schreckliche Lawine des Holocaust losgetreten wurde.

                             Weitere Ausführungen über dieses gesamten schlimmen Kapitels erspare ich mir hier.

 

2.      Ein weiteres Bezugsdatum aus der deutschen Geschichte – vielleicht  sowohl im Sinne des Feierns wie des Mahnens - ist durch den 9.  November 1918 gegeben, mit dem sich das Ende des schrecklichen Ersten Weltkrieges, das Abschaffen der Monarchie und vor allem die Ausrufung der 1. Deutschen Republik verbinden.

 

3.      Eine erste ganz deutliche Manifestation der braunen Bewegung brachte  der „Marsch auf die Feldherrnhalle“  in München am 19. November1923.       Dieser Aufmarsch hat heute wieder eine ganz aktuelle und - beklemmende - Bedeutung durch die Aufmärsche der neuen Braunen in  unseren Tagen. Dieses Datum birgt eine extreme Brisanz in sich, und sollte unbedingt in das mahnende Gedenken eines 9. November einbezogen werden!

 In einer Anlage wird gesondert auf das Geschehen dieses Tages, auf seine Bedeutung für die Nazis, auf deren Symbole und vor allem auf die sich für uns heute daraus ergebenden Lehren eingegangen.

                                             

Sechstens:   Welche Konsequenzen und Möglichkeiten wären jetzt ganz aktuell und praktisch zu erwägen und in praktisches politisches Handeln umzusetzen um aus der aus gezeigten nationalen historischen so wieder ganz emotionalen Konfliktsituation herauszukommen und insgesamt etwas Positives für unsere Nation zu erreichen.

Das brauchen wir gerade jetzt so dringend!

 

Siebtens:            Ein ganz wesentlicher Gesichtspunkt scheint mir eine Stärkung des    

moralischen Selbstwertgefühls der „Ossis“ und insbesondere eine Aufwertung all der tapferen „Aktivisten der Wende“. Diese Vielen und ganz besonderes engagierten Redner im Wendeherbst, die „Montagdemonstanten“ in Leipzig, Dresden, Jena und anderen Orten, die Bürgerrechtler in den Jahren davor und auch die ungezählte jungen Leute, die – obwohl oft  nicht christlich erzogen – die unter dem Dach der Kirchen gebetet, mitgesungen und getrommelt haben –  (oft genug unter den Augen und Ohren von – sogar mit passenden Outfit versehenden Staatssicherheitsleute) – sie Alle haben die Wende von 15 Jahren erkämpft.

 

„Der Westen“ hat uns allenfalls beigestanden; manche Politiker (die hier ungenannt sein sollen) haben auch nur in abwartender Position verharrt oder waren sogar ziemlich zögerlich bzw. kontraproduktiv, sicher auch aus Gründen der Opposition gegen die großen „Macher“ auf der Regierungsseite Helmut Kohl und Hans-Dietrich Genscher.

Die Wiedervereinigung wurde zwar von ziemlich allen Deutschen erwartet und erhofft, dann aber vor allem von „Westseite“ (insbesondere auch im Rahmen der Einigungsverhandlungen hinsichtlich des Datums) – festgezurrt!

Einen wesentlichen Einfluß der letzten demokratischen gewählten Volkskammer der DDR gab es doch kaum. Die historisch-politische Ereignisse - Stichwort: „Vier-plus-Eins-Gespräche“ sollen hier keineswegs geleugnet werden, auch der Druck der Siegermächte hinsichtlich des Datums der Wiedervereinigung muß historisch wohl kaum in Rechnung nicht gesetzt werden, das soll heißen die 37 Tage „Aufschub“ zwischen 3.10. und 9.11.1990 wären vermutlich konzidiert worden.

Aber die politischen Auguren und Akteure dieser Zeit wissen das alles sicherlich viel besser.  

Wegen all der damaligen Handlungszwänge hin und her gedacht:

Es war doch in Berlin und an der Mauer:    Da haben ungezählte sich umarmt. „Da sind Freudentränen von Ost- und Westdeutschen geflossen“.

Da war eine ungeheure Euphorie.

 

Das alles geschah am Abend und in der Nacht des 9. November 1989.

Und deshalb sollte dieser unbedingt zum Nationalfeiertag unseres Volkes proklamiert werden.

                    Damals gab es keine Spaltung zwischen Ost und West mehr, wie sie leider jetzt wieder    

                    aufgebrochen und in Meinungen und Verhalten viele Bundesbürger erkennbar wird.

 Es ist alles zu tun diese neue „Mauer in den Köpfen“ abzubauen.

 

Eine Terminierung des Wiedervereinigungstages auf dem 9. November wäre

 – unter Beachtung all der oben genannten harten geschichtlichen Fakten – durchaus möglich gewesen und sollte jetzt endgültig wieder möglich sein.

               

Achtens:  - Weiter gehört in die aktuelle Diskussion, dass jetzt und hierzulande - in Ost wie in West – ein ungeheuer Frust und eine Staatsverdrossenheit in der Bevölkerung vorherrschen, wie sie nicht durch die wirtschaftliche Situation vieler Menschen bedingt sind.

 

- Falsche und die Gefühle der Menschen ignorierende politische Zeichen in dieser unserer deutschen Situation – viele sagen und denken auch: Misere - sind Gift!

 

- An die große Misere unseres Volkes Anfang der 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts und all das Unglück danach muß erinnert werden.

Auch um der „braunen Gefahr“ die auch heute wieder viele Bürger ängstigt, sollte eine Verankerung der Ereignisse vom 9.11.1923 und 9.11.1938 im Bewußtsein unseres Volkes gefördert werden!

 

Aus all den genannten Gründen wäre der 9. November der nationaler Feier- und Gedenktag!

 

Zusammenfassend und abschließend wird noch einmal das zentrale Anliegen dieses Schriftstückes – das auch als Petition oder Memorandum von Unterzeichner gesehen wird, formuliert:

  

Statt des 3. Oktober sollte der 9. November stehen - etwa mit der Bezeichnung als –

  

„Nationaler Feier- Mahn- und Gedenktag der Deutschen“

 Metaphorisch ausgedrückt: laßt uns einen künstlichen Zementbaustein – der bald zerbröseln kann - gegen 4 in der Ewigkeit gewachsenen Granitbausteine austauschen, wie sie dann auch für lange Zeit fest gefügt bestehen könnten.

 Frei mit Martin Luther:     Gott helfe uns Deutschen dabei – Amen!

 

 

Mit vorzüglicher Hochachtung

 

 

Ihr

 

Dr. Albrecht Reichel

 

 

 

Anlagen werden auf Anfrage per e-mail zugeschickt

 

Anlage I. Gedanken und Erlebnisse des Verfassers zu den „West-Ost-Beziehungen“ auf  menschlicher Ebene vor und während des Herbstes 1989. Persönliche Impressionen beim Mauerfall. Gedanken zu der Entwicklung danach.

 

Anlage II. Was passierte am 9. November 1923. Wie entstanden die Nazi-Symbole – besonders das Hakenkreuz -. Wie wurde gegen den  „Marsch auf Feldherrnhalle“ damals von der Landespolizei des Freistaates Bayern vorgegangen. - Lehren aus dieser Geschichte für heute in Hinblick auf das Geschichtsbewußtsein insbesondere unserer Jugend; politische „Prävention“.

 

Anlage III. Betrachtung und Abschätzung der unmittelbaren bzw. zukünftigen Folgen, welche sich aus der Beibehaltung des Status quo (Feiertag 3. Oktober) bzw. der Nichtbeachtung oder Ablehnung der Alternative, etwa eines als Feier-Mahn- und Gedenktag zu deklarieren am 9. November.